Deutsches Team dominiert Kunstrad‑WM in Böblingen ‑ Lomuscio‑Brüder stürmisch gefeiert

Romingers vierter Titel in Folge

 

6:4 ‑ Sandro Lomuscio wird von Radball‑Bunderstrainer Hans Krämer umarmt. Torwart und Bruder Michael schlägt, am Boden sitzend, nach dem Finale die Hände über dem Kopf zusammen. Martin Rominger und Matthias Letsch stürmen auf das Parkett. Die Halle tobt. Soeben sicherte sich die deutsche Mann‑schaft die zweite Goldmedaille binnen 30 Minuten. Bei den Kunstradsport‑Weltmeisterschaften in der Böblinger Sporthalle holte sich das Team des Bundes Deutscher Radfahrer damit vier der fünf möglichen Goldmedaillen. Radball‑Bundestrainer Hans Krämer wurde nach dem Triumph über die Schweiz nach 18 Jahren mit acht Gold‑, sechs Silber‑ und zwei Bronzemedaillen verabschiedet.

Beim Einer‑Kunstradfahren der Männer wurde Rominger seiner Favoritenrolle gerecht. Der 23 ‑Jährige sicherte sich im eigenen Land seinen vierten WM‑Titel ‑und das in Folge. Die von ihm seit fünf Jahren mit höchstmöglichstem Schwierigkeitsgradgefahrene Kür brachte der in Reutlingen Fitness tankende, gebürtige Albstädter mit nur geringfügien Fehlern nach Hause. Zudem der Einzige, der den Maute-Sprung ohne Sturz meisterte. 347,70 Punkte waren der Lohn für

ein, nach eigenen Angaben, auf Sicherheit gefahrenes Programm.

Der »Dorninator« mit Routine

Bei der nahezu perfekten Vorstellung (sein vor zwei Wochen aufgestellter Weltrekord liegt bei 348,90 Zählern) »konnte ich meine Routine ausfahren«, war der für den RSV Tailfingen startende Rominger überglücklich. Als Letzter gestartet, ging er im Bewusstsein an den Start, dass seine Kontrahenten ihr Programm allesamt mit erheblichen Mängeln beendeten. »Ich weiß nicht, was los war. Die Konkurrenz war nervös und hat nicht das gezeigt, was sie drauf hat«, gab's Trost vom »Dominator« der Sportart. Auch er sah sich unter großen Druck, »weil jeder meinen Sieg erwartet hat und ich viele Leute hier in der Halle kenne«. Damit kam der Tübinger Sportstudent allerdings zurecht, spulte die 28 Übungen der Sechs‑Minuten‑Kür runter wie ein Schweizer Uhrwerk.

Dem hatte auch Vereinskollege Letsch nichts entgegen zu setzen. Der 2 6‑Jährige belegte mit 32 5,18 Punkten Platz zwei vor dem Tschechen Milan Krivanek (322,40).

Dass zwei Fahrer des selben Vereins im gleichen Wettbeweb ihr Land vertreten, war ein Novum bei den Welttitelkämpfen. Da stellt sich doch die Frage, ob's in Tailfingen, wo sich zugleich das von Vereinstrainer Manfred Maute geleitete Landesleistungszentrum befindet, etwas besonderes zu essen gibt. »Da gibt's halt Spätzle«, verriet Dieter Maute. »Ganz klar, wir sind halt Schwoba.« Der fünffache Träger des WM‑Trikots und Erfinder des gleichnamigen Sprunges vom Sattel auf den Lenker brachte am Rande der Veranstaltung mit seinem Vater Manfred (dreimaliger Weltmeister) das von beiden erstellte Lehrvideo an den Mann.